Herr Eber und die hohe See

Es existieren Tage, an denen Herr Eber den Kopf nicht frei bekommt, weil da zu viele alte Gedanken hocken, die wie die Verteidiger einer Burg, die angreifenden neuen Gedanken bekämpfen und einfach nicht rein lassen wollen.

Zwar belagern die neuen Gedanken die Birne des Herrn Eber aber ein reinkommen ist nicht in Sicht. An solchen Tagen springt Herr Eber dann in die See voller Probleme und versucht ohne Arme im Stile eines Andreas Groß zu schwimmen. Dass das mit einer niedrigen Erfolgsaussicht gekrönt ist, ist leicht für jeden Außenstehende vorstellbar. Doch jemand, der baden geht, der hat nicht gerade die Nase oben, um sich neue Luft und damit neue Ideen um selbige wehen zu lassen.

Herr Eber weiß eigentlich, dass er das alles gar nicht braucht. Er braucht da nicht den Einzelkämpfer spielen, sondern kann fix wie nix bei guten Bekannten nachfragen, ob sie nicht Lust haben am Ende des Tunnels einmal das Licht anzuknipsen. Einfach so. Knips. Und schon sieht die gesamte Situation ganz anderes aus. Da jetzt ja Licht am Ende des Tunnels für Herrn Eber zu sehen ist.

Aber nein, der feine Herr, springt einfach in die See, tausend Tränen tief, und wird motzig wie ein altes Weib.

Geschichte

Tom war sich sicher, dass er seine Oma gesehen hat. Die ging doch die Treppe hoch, dachte er. Ich habe doch die Stufe knartzen gehört. Oma und er ware dicke Freunde. Nicht nur einfach so Verwandte. Oma erzählte Oma viele Sachen. Vom Krieg. Von Leben. Das fand Tom immer interessant.

Anfang einer Geschichte

Es ist einer dieser Tage. Tage an denen der Regen mit freudiger Lust auf den Boden, die Menschen und auf einfach alles fällt. Wir sitzen rum – einer vor dem Rechner und einer vor dem Fernseher. Belanglos. Dann klingelt es. Drei mal. Ungewöhnlich für diese Uhrzeit und zudem ungewöhnlich für diese Gegend der Stadt. Hier läuft nachts keiner rum, der hier nicht irgendwie hingehört. Egal, ob legal oder illegal. Jemand öffnet die Tür und hört in den Flur hinaus. Es sind drei Etagen Wartezeit. Schritte nähern sich und ein Schnaufen, welches lauter wird, je näher er oder sie, der Klingelnede kommt. Manchmal sind es Besucher, die einfach nur eine Etage höher möchte. Oder Zeitungsmenschen, doch dafür ist es zu spät.

Der letzte Treppenansatz bringt einen kleinen Strahl Licht ins Dunkele. “Hallo!” Tiefe Stimme aus einer tief ins das Gesicht gezogene  Kaputze. Es regnet draußen. Es ist eine Gestalt. Eine durchweichte Jeans, Cowboy Stiefel. Jeans Jacke. Unter der Kaputze eine Hut. 80er Jahre Rockeroutfit ohne Kutte. Eine momentan unbekannte Person männlichen Geschlechts.

“Hallo?”

“Ja. Bist du es?”

“Ja.” Die Person wird hereingelassen. Es beginnt eine außergewöhnliche Geschichte. Die außergewöhnlichste, die in einem gewöhnlichen Leben stattfinden kann.

Thomasz und das Kind von Annie Friesinger

Ich erinnere mich gern an Thomasz. Da war einer. Der konnte mit seinen Ideen ganze Parties sprengen und vor allem konnte er immer, wirklich immer, deine Vorstellungskraft erweitern. Egal, ob du schon ein paar Kannen Pils drinne hattest oder irgendeinen anderen Shit wie Gras und so.

Thomasz war einer dieser Menschen, der zwar körperlich höchstens Kreisklasse spielen konnte, aber mit seinen Aktionen es locker in die Champion League schaffen würde. Thomasz war mindestens 50kg zuviel Mensch und das meiste davon um die Hüften.

In der letzten Woche hat der wieder so eine Ding rausgehauen, uns fiel alle das Lachen aus den Gesichtern. Wir waren wie immer an einem Dienstagabend in unserem Kiez unterwegs und auf der Suche nach einem frischgezapften Bier. Hier gibt es eigentlich immer nur Kneipen oder Kioske vor denen uns eigentlich ein Grundgefühl von Anspruch hätte warnen müssen. Wir also unterwegs im Kiez. Ein paar nette Mädels aus tausend und einer Nacht mit ihren engen Jeans und Tops kichern vor uns her und wir sahen uns ihre wiegenden Hintern an.

„Alter, wisst ihr was ich mir letztens gedacht habe?“ meinte Thomasz auf einmal.

„Nö.“ Sagten wir im Chor und gingen weiter und schauten auf die Hinterteile der Mädels, die irgendeinen billigen HipHop Mist dröhnend aus ihren 50,- Euro Handies hörten. Und sie kicherten.

Wir bogen um die Ecke, wo die Zigeuner saßen. Meistens nur Frauen und Kindern. Die Typen gurkten in der Regel mit ihren frisierten Motorrollern knattern durch die Straßen.

„Ich saß so im Bus und starrte vor mich hin. Da entdeckte ich eine Schlagzeile:  Annie Friesinger Podsmart bekommt Kind in Meppen!“

„Ich meine die heißt anders!“, sagt Norbert. Neunmal klug wie er immer meinte zu sein. Kein Wunder hatte er auch immer 3 Studiengänge abgebrochen. Philosophie und Geschichte sowie Politik.

„Scheiß egal.“ Meinte ich. „Los Thomasz. Schieß los. Was ist Phase!“

„Also ich dachte so, dass sie, die ja ganz geil aussieht ein Kind bekommt. Und dann mit dem ganzen Blut und der Arzt schneidet ihr bei der Muschi rum. Kann der die dann noch geil finden. Ich meine, die ist ja geil. Pralle Möpse und so einen butterweichen Arsch. In ihren Rennanzügen sah sie ja immer sehr geil aus. Und dann immer in der gebückten Haltung. Fand ich großartig. Nur deshalb habe ich mir den Scheiß angeschaut.“

„Mmmh“ meinte Norbert. „Der Arzt hat doch dann so einen Profiblick.“

„Ja aber mal ehrlich. Wenn da so einen Torte aus dem Fernsehen mit gespreizten Beinen und in voller Inbrunst vor dir liegt und du kannst sie gleich aufschneiden oder musst. Dann findest du die doch nicht mehr geil, oder?“ war mein Kommentar.

„Alter, was für einen Scheiße labert ihr da wieder.“, Norbert kam mit einem verbalen Einwurf von der Seitenlinie. „Der kann sie doch weiterhin geil finden, auch wenn er sie zugenäht hat. Der sieht doch andauernd irgendwelche Weiber, die vor ihm mit gespreizten Schenkeln in die Höhe voller Inbrunst Kinder rauspressen.“

„Auch Türken Weiber!“ war Thomazs Feststellung. Ich äußerte meine Bedenken, dass es in Meppen wahrscheinlich nicht so wirklich viele Türken Weiber gab.

„Aber Russen Torten. So blonde wie die Friesinger.“ Norbert, der Regionalexperte meldete sich.

Langsam waren wir bei der Kneipe unserer Wahl angekommen. Irgendein Typ hatte sie aufgemacht, weil er gelesen hatte, dass das hier eines Tages einmal ein „In“ Viertel werden sollte. In der Zwischenzeit durften wir hier Bier saufen. Und zwar vom Fass! Korn kam heute nicht in Fragen, morgen war wieder Maloche angesagt. Schließlich musste die Miete bezahlt werden.

Wir setzten uns auf die Hocker am Fenster. Da konnte man dann immer super nach draußen glotzen. Zwar war das im Moment nicht interessant, da ja hier kein „In“ Viertel war und die entsprechenden Spielbesatzung, also gut aussehende Weiber noch nicht da waren. Aber ab und zu ging eine pralle Afrikanerin vorbei und die konnten immer am besten mit dem Hintern wackeln. Wir hatten uns angewöhnt zu solchen Anlässen immer ein „Shake your Budy“ auf den Lippen zu haben und schweinische Gedanken in der Birne. Wir steckten uns alle eine an. Auch ein Vorteil, wenn man nicht in einem „In“ Viertel wohnt. Beschissene Touristen mit ihren Funktionsjagen konnten sich nicht auf schwäbisch über das Rauchen beschweren. Ich war immer der Meinung, dass das nur Menschen machten, die noch so viele Kreditraten auf der Uhr hatten und wenn jemand durch das Rauchen, welches sie ja passiv mitbekamen, nicht mehr lange zu leben hatten, nicht mehr ihre Schulden zurückzahlen können. Und das ist für einen Schwaben eine riesige mentale Last, die fast keinen Platz mehr für was anderes lässt.

„Die Friesinger. Also. Ein Kind. Rausgepresst. Meinst du der Typ war dabei?“
„Welcher Typ? Der Arzt?“, Norbert.
„Nein. Ihr Typ. Der Alte, der ihr das Kind gemacht hat. Podsmart, oder so!“

„Ich habe gelesen, dass der ne Landwirtschaft hat. Dann kennt er sich ja mit Eutern aus!“ Thomasz.
Wir lachten.

„Keine Ahnung, ob der dabei war. Würdest du dabei sein?“

„Bei der Friesinger nicht. Bei meiner Torte wohl. Ich muss nur sicher sein, dass das Balg von mir ist.“ Thomasz hatte leider keine Freundin, die ihn betrügen konnte. Thomasz war ein Kumpelfreund. Keiner, der jemals eine abbekommen würde. Niemals nicht. Gluppsaugen hatte er und eine Vorliebe für Bundfaltenhosen in beige.

„Ich weiß nicht, ob ich dabei sein würde.“ Was sollte ich da? Frage ich mich. Blut, Schweiß und Tränen? Gekreische von der Alten? Geruch wie von tausend Schlachthöfen? Das war nichts für mich.

 

 

 

Montag Morgen

Obwohl heute Montag ist, habe ich total Bock auf die Arbeit zu gehen. Ich hoffe, dass da alle da sind und niemand sich über das Wochenende was eingefangen hat. Wäre doch schade, wenn da heute jemand den Tag verpasst. Ich habe echt gute Laune, sogar das Wetter spielt in dieser ansonsten total verregneten Stadt mit. Die Sonne blinzelt nett durch das Fenster und ich habe ein gewisses Vergnügen dabei auf dem Balkon bei einer Zigarrette einen Kaffee zu trinken und dem Treiben auf der Straße zuzuschauen.

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Wenn ich wieder Angst habe

Dann ziehe ich bei mir ein
Dann erkunde ich meine Gehirnwindungen
um einen Sinne zu finden
Mit einer Lupe, die aus Fragen gemacht ist
Was wie wann wo warum
Ich drehe mich im geistigen Kreise auf meinen innerlichen Kornfeldern,
Ich entdecke Satzfragmente,
die an den Decken der Gedanken kleben.
Wenn ich damit fertig bin,
Steige ich nach Draußen
Und meine Gedanken warten auf meine Rückkehr.

Gedanken fliegen

Ach wie Flux ist doch ein Gedanke
Eben noch hier
und schon wieder fort

Die Ideen, die darauf folgen,
halten nicht, was der Gedanke versprach
als er aufbrach

in die nächste Dimension
oder wird er vergraben

in des Gehirns Gedankenwelt
gefangengehalten bis er neue Freiheit erhält

um erneut zu fliegen
und den Turnus neu zu starten

Neugeboren – Neugedacht

Gewalt

Nur Gewalt
Urgewalt
Urwald

Träume, die zerplatzen wie der Pakt mit dem Teufel,
der als Dikator Afrika beherrscht

Als Ingenieur, die Technik

Am Ende kommt die Sinnflut und der Sturz

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Der ORT

Der ORT – Erste Gehversuche auf der Tastatur

Es ist kalt und warm, regnerisch und sonnig. Das ist der ORT. Ein Platz, der wie jeder andere in dieser Republik ist. Ein ORT an dem samstags das Auto gewaschen und der Rasen gemäht wird. Außer im Winter, dann werden Teppiche nach draußen geschleppt und in den Schnee gelegt. Im ORT wohnen Menschen, Tiere und der ganz normale Dreck, der sich überall findet, wo Menschen leben oder zumindest meinen, dass sie leben. Außer den Tieren, sie sind sich nicht ihrer Lebendigkeit bewusst.
Und es gibt viele Tiere an dem ORT. Kleine, große. Zum Essen und zum Liebhaben. Alles mögliche.
Der ORT hat einen historisches Kern. Da steht ein altes Rathaus. Wirklich alt: 300 – 500 Jahre mindestens. In der Regel haben die alten Gebäude ein Erscheinungsbild, das eine pittoreske Kombination aus alten Balken, alten Mörtel und neuer Fassade sind. Alles natürlich rein dem Denkmalschutz geschuldet oder wenn möglich durch einen kleinen Freundschaftsdienst für einen Parteifreund werden die Regel ausgehebelt. Manchmal werden sie auch in dem ORT gedehnt, wie eine Fuge, die das Fachwerkhaus zusammenhält. Der ORT hat auch eine Fußgängerzone mit roten Steinen. Vielfach stürzen die Leute, wenn die Steine nass geworden sind. Meistens sind das Ältere. Ältere, die nun in der Nähe des Krankenhauses wohnen. Da sind dann nicht mehr viele Meter bis zum Krankenhaus. Gerade im Alter kann das wichtig sein. Im ORT wohnen immer mehr Senioren. Alte Menschen wohnen in alten Häuser, die frisch renoviert worden sind. Es wurden seniorengerechte Bäder und so eingebaut. Vom örtlichen Baulöwen. Ein Parteifreund des Bürgermeister. Sein Haus hat er auch gebaut. Am Wochenende vielfach. So läuft das im ORT. Menschen helfen sich da. Auch am Wochenende. Sie machen dann gerne was gemeinsam. Häuser bauen, Parties feiern und so. Das ganze Programm. Der ORT hat so einiges an Götteshäuser zu bieten. Entweder mehr katholische oder mehr evangelische – je nach Landstrich oder wie die Fürsten damals drauf waren. Religionskriege gabe es schon weit bevor ein bärtiger Mann aus Saudi Arabien die USA herausgefordert hat. Die Kirche ist ein wichtiger Bestandteil im ORT. Total wichtig. Schon früh sind im ORT die Weichen gestellt. Sie werden in die Wiege gelegt. Ist man noch klein, dann gibt es schon bald nach der Geburt einen großen Termin: Die Taufe. Menschen im ORT ist dieser Ritus wichtig, werden doch Kinder nicht in den Himmel gelangen, wenn sie nicht getauft sind und damit ein Teil der Gemeinde. Es gab Zeiten, in den sich die Friedhofsverwaltung sich weigerte gestorben Frühchen beerdigen zu lassen, da sie noch nicht getauft waren. Wohin die Babies kamen, die nicht getauft waren und starben, ist eine Geschichte, die im ORT nur unter der Hand erzählt wurde. So ist das mit den Religionen – es wird heimlich und unheimlich blutig, wenn die Geschichten unten den Tisch fallen, die nicht offiziell sind. Aber irgendwann ist es im ORT auch so gewesen, dass dort auch diese Babies beerdigt wurden. Nottaufe war der Begriff, der tote Babies zu regulären Tote im Sinne der Mutter Kirche machte.
Doch der ORT zeichnet sich durch weitere Gemeinschaftsaktionen aus. Dein Leben in der Geheimschaft des ORTes beginnt mit dem Kindergarten. In der Regel konfessionell. Das bedeutet nach dem Aufstehen, dem Frühstück und dem Anzeihen eine Wanderung durch Reihenhäusersiedlungen mit erleuchteten Fenstern, die auf einen niederblicken.
Überhaupt sind die Reihenhäuser mit ihren verbilligten Bauplätzen für junge Familien eine große Wohltat für die Menschen in dem ORT. Und wichtig. Damit nicht nur Rentner hier wohnen. Reihenhäuser sind wichtig für die Menschen im ORT. Sehr wichtig. Sie haben einen identitätsstiftenden Charakter, obwohl sie alle aussehen, als ob sie aus einem Versandhauskatalog für Häuser stammen. Die roten Klinker, die roten Dachziegel sehen doch ganz hübsch aus, wenn man mit Google Maps darauf schaut. Auch erfüllen diese Häuser den Zweck des Konservativen. Ein Haus, der Traum jeder jungen Familie. In welchen Garten soll schließlich der gepflanzte Baum stehen, wenn nicht im eigenen. Zwar sind die Kreditraten hoch, aber die Sorge um die Bezahlung jener, gibt den Menschen im ORT das Argument für eine vierzigjährige Beschäftigung. Hinter der Hand gibt es einige die sagen: “Känguruh Siedlung. Nichts im Beutel aber große Sprünge machen!” Meistens sind die Aussprechenden diese Wörter diejenigen, die zur Miete wohnen. Oftmals in den Häusern des Baulöwens. Es gibt aber noch eine andere Lösung für diejenigen, die danach gieren ein Haus zu „haben“. Häuser, die gebaut worden sind, um Menschen in den Ort zu ziehen. Wie ein Magnet wirken diese Häuser. Es sind Häuser, die der Staat gebaut hat, um Angestellte zu ködern. Wie ein Angel hat er seine Rute ausgeworfen, der Papa Staat, um diejenigen einzufangen, die dem schmackhaften Wurm nicht widerstehen konnten. Zwar musste sie dafür eine Uniform anziehen und im Bedarfsfalle einrücken. Aber sie hatten ja was im Magen und ein Dach über dem Kopf. Diese Idee gefiel natürlich auch den Industriellen, den Großen. Sie konnten hier im ORT die Fabriken bauen, die sonstwo Bürgerproteste bedeutet hätten. Alles was an Protest da war, wurde erschlagen durch ein Wort: „Arbeitsplätze“. Auch heute noch bundesweit eine Keule, die geschwungen wird, um den richtigen Treffer zu landen. Umwelt spielt keine Rolle im ORT, solange die Wiesen und die Bäume einigermaßen Grün bleiben. Was man nicht spürt und riecht, gibt es nicht. Dogma.

Wird fortgesetzt