Monatsarchiv für März 2010

Kalle, der Teddy – Life is a poker bitch

“Life is a bitch.” grummelte Kalle mir ins Ohr. Ich war noch nicht ganz wach. Müde und missmutig vernahm ich erneut “Life is a bitch” meines Teddies Kalle war.

Wo war die Flitzpiepe denn schon wieder? Ich rieb mir die Augen. Reckte mich und richtete mich auf der Couch auf. Ein Rundblick ins Zimmer und schon würde ich fündig. Kalle hockte im Schneidersitz vor dem Laptop und wiederholte “Life is a bitch.” Nur diesmal ein wenig entspannter. Was machte der verfluchte Teddy nun schon wieder.

Aus dem Bett aufstehend, schlich ich mich von hinten an das Plüschtier an.

“Was machts du denn da?” frage ich mit einer tiefen Stimme.

Er erschrakt ein wenig, drehte sich um und schaute mir direkt in die Augen. Seine Teddy Augen war ein wenig blutunterlaufen. “Life is a bitch, Digger!”.

“Ja. Und? Nichts neues, oder?”

“Doch. Zumindest in diesem Fall.”

“Hast du gar nicht gepennt, oder was?”

Kalle schaute echt müde aus, Stoppeln breiteten sich auf seinem Gesicht aus.

“Ich zocke schon den ganzen Abend diesen Pokermist auf dieser Pokerplattform.” Er griff sich in seinen Pulli, den die Oma gemacht hatte und suchte eine Zigarette.

“Ja. Aber lass mal in der Küche rauchen, altah.”

“Ok.” er sprang vom Stuhl runter und lief los in Richtung Küche.

In der Küche drehte ich uns erstmal eine. Wir schauten aus dem Fenster auf die Rückseiten eines Wohnhause, welches an vielen Stellen mit Parabol-Antennen versehen war. Es hatte was von Pilzen, die aus der Häuserwand herauswuchsen. Manchmal konnte man jemanden beobachten, wie er im dritten Stock auf einem kleinen Fenstersims stand und versuchte eine bessere Richtigung einzustellen. Kalle und ich hatten dann immer eine Kamera griffbereit, um im Notfall ein Youtube Video drehen zu können. Wer den Schaden hat…
Wir bliesen Ringe in die Luft und drückten die Zigaretten so aus, dass man es auch nach Stunden noch an den Finger, die gelb waren sie, riechen konnte, dass geraucht wurde.
“Kaffee ist auch dein Grundnahrungsmittel, oder?” fragte Kalle als ich gerade heißes Wasser auf den Instant Kaffee in der Tasse goß.

“Kar! Meister.” erwiderte ich ihm und haute noch ein bisschen Zucker und Milch in den Kaffee.

“Spinner!”, sagte Kalle der Teddy und hüpfte vom Stuhl, um wieder in das Zimmer zu gehen. Dort schaltete er den Rechner an und fing wieder an zu spielen. Poker.

“Life is a bitch!” hörte ich ihn sagen und drehte mir eine weitere Zigarette.

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admin am 30. März 2010 in Kurzgeschichte

Auch

Auch, wenn es regnet wird die Erde nass
Auch, wenn die Sonne scheint, wird es morgen wieder trocken sein
Auch, wenn der Himmel grau ist, ist die Sonne nicht weit
Auch, wenn die Zeit gekommen ist, ist das Ende nah

Dann und wann
Und immer und auch
Thron und König
Sohn
Mann und Frau

Ohne Patos keine Liebe
Ohne Schmerz kein Schwanengesang
Ohne Kälte keine Heizung
Ohne Play kein Mobil

Mit Lachen wird ein Kind gesund
Mit Freude wird der Tot umarmt
Mit Tränen gießt man Freudenblumen
Mit Herz ist Leidenschaft im Bett

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admin am 27. März 2010 in Gedicht

Das Rad, das sich um den Rat dreht

ich dreh am Rad, wegen des Rates

Der in der Politik die Macht der Räte wie eine

Gräte observiert und gegebenenfalls den Rat abserviert,

dass das Rat zu viert

Eine Vierer-Rat, der Ratschläger auf ein Rad montiert

und Menschen mit Ideen rädert während sie am Rad drehen

Rate ich dir dass du das Rad annimmst,

damit der Rad stimmt und du in Freiheit schwimmst.
Vielleicht kann auch ein Radschlag über Kopf gehen um einen Schlag mit einem Rat zusammen

zu einem Ratschlag zu werden.

Das wird mir zu bunt

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admin am 21. März 2010 in Gedicht

Kalle, der Teddy – Kurzgeschichte

Ich stand an einer Endung und wußte nicht, ob es rechts oder links weitergehen sollte. Schließlich war hier die Endung mit einem T. Manch einer hätte es als T-Kreuzung bezeichnet, wenn es keine Endung gewesen wäre.

“Mir doch egal” flüsterte ich meinem Teddy Kalle zu.
“Hör mal, Kalle! Sollen wir uns noch eine Wurst und ein Bierchen holen?” Kalle, der Teddy, nickte und deute auf sein Feuerzeug.
“Aber vorher noch eine wegficken, Altah!” Mit “Wegficken” meinte Kalle, der Teddy, eine rauchen.
“Klar, Kalle!”, sagte ich und griff in die Brusttasche meines verwachsenen Cord-Sakkos, welches ich seit der 12 Klasse besaß. Es war ein Schnäppchen im regionalen 2nd Hand Laden. Damals vor 15 Jahren. Demensprechend sah es aus und roch vor allem nach vielen Parties, Tränen und manchmal wehte ein Hauch Erbrochenes herüber.
“Bitte.” Kalle tat einen tiefen Zug und machte es sich auf meiner Schulter bequem. Er saß da fast wie eine Katze von einer Hexe.
Wir bliesen Ringe in die Luft. Das war harte Arbeit bis wir beide die Lippen so formen konnte, dass beim Herausblasen der Rauchluft Ringe entstanden.
“Hör ma, Kalle! Was machen wir denn heute abend noch?”
Kalle war soetwas wie der letzte Mohikaner  in meiner Bekanntenliste. Fast war er ein Stück Familie für mich geworden. Ich hatte ihn mal vor Urzeiten gefunden oder war es auch einem Flohmarkt gekauft. So richtig weiß ich das gar nicht mehr. Es war also viel Zeit ins Land gegangen. Kalle war eigentlich immer da. Wenn es donnerte, wenn es an der Zeit war die Steuererklärung zu machen oder er war zuhause, wenn ich mal wieder Schallplatten verkaufen musste, um Geld für Essen, aber auch Bier und Zigaretten, zu haben.
Wenn ich nach diesem emotionalen Verkauf nach Hause kam, tranken wir immer wortlos Bier und rauchten. Nur mit einer kurzen Unterbrechung, in der ich eine Stück Salami abschnitt und kaute. Kalle, der rauchte nur und trank ein Bier. Essen habe ich ihn niemals gesehen.
“Ey, Altah. Wir könnte heute abend noch ein bisschen gudde Mucke hören. Irgendwas von The Smiths, Morrissey oder so. Meinetwegen auch Tori Amos. Scheiß egal. Hauptsache wir saufen ein paar Bier und rauchen während du die Fresse hältst und die Mukke läuft.”
“Geht klar.” Wortlos und rauchend kamen wir zuhause an.
Ich stellte die Anlage an und wir hörten The Smiths, Morrissey und auch Tori Amos.
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admin am 18. März 2010 in Kurzgeschichte

Kurzgeschichte Nacht der zwei Monde

Gestern Nacht träume ich von zwei verrückten Monden. Sie schnitten Grimassen und schauten Sie nach mir um. Ihre großen Augen verfolgten mich im Schlaf. Es war unheimlich. Ich würde wach, als ich von einer kleinen Sternschnuppe darauf aufmerksam gemacht wurde.

“Hey!”, sagte sie und rüttelte an meiner Schulter.
Ich rieb mir die Augen und schaute ich ein gleißendes Licht. Ich war geblendet und konnte nicht erkennen, wer da zu mir spricht.
“Hey!”, sagte die kleine Sternschnuppe erneut. Ich sah nur Sterne.
“Hey… Wer bist du?”, konterte ich schlaftrunkend.
“Ich bin Tina, die kleine Sternschnuppe und ….” sie kam dichter an mir heran, sodass ich Ihre warme Wärme spüren konnte.”
“… ich will dich warnen!” Sie machte ein bisschen auf Heimlich- und Verschwiegenheit.
“Wovor?” sofort war ich hell wach. Das Strahlen der Sternschnuppe unterstrich noch diesen Vorgang.
“Vor den zwei Monden! – Sie wollen was von dir!”
Zwei Monde? Forderungen? Ich dachte sofort an eine Stundung. Wie ich es bei einigen Gläubigern schon gemacht hatte.
“Waaaas? Waasss wollen die denn!” Zwei Monde??
“Sie haben gehört, dass du gerade eine Geschichte über sie schreibst.”
Ja. Stimmt. Aber eigentlich schreibe ich sie gerade in meinen Schlafgedanken und versuche sie mit Feenstaub aufzuzeichnen.
“Ja. Aber. Ich schlafe doch.”
“Das macht Ihnen nicht. Ich muss leider weiter. Glückwünsche von Päarchen erfüllen.”, sagte die kleine Sternschnuppe und drehte sich um. Ich schaute ihr nach als sie aus dem geöffneten Fenster flog.
“Hey! Monde!” rief ich voller Mut.
“Hey! Gedichte-Schreiber!” schallte es zurück.
“Ich schreibe was nettes! Versprochen.”
“Ok!”

Zwei Monde sind toll. Schließlich gibt es so doppelte soviel Licht wie sonst. Es sei denn, der Himmel ist bedeckt.

Ich schlief wieder ein.

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admin am 15. März 2010 in Kurzgeschichte

Ach komm – geh Schnee

Jetzt bist du schon so lange hier: Du Schnee

Und deine Sippschaft Eis und Ihre Garnierung aus Salz und Sand

Ich fand euch ja gut zum Weihnachtsfeste oder auch für ein paar Tage

doch lange Monate

Mit einem ständigen Regen aus Schnee. Ach komm, lieber Schnee geh

Lass dich hier nicht mehr blicken bis zum Winter in diesem Jahr. Räume die Reste auf!

Hineingefresse hast du dich in den Straßenbelag und damit in die Stadtkassen.

Übrigbleiben hier und da Löcher.

Ach Schnee, komm, geh.

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admin am 11. März 2010 in Gedicht

Der Zwerg in der Mitte des Wahnsinns – Kurzgeschichte

Lange angekündigt und nun endlich Wahrheit geworden! Eine Kurzgeschichte von Guntah

In der Mitte des Wahnsinns wohnt ein kleiner Zwerg. Er sitzt das in Buddha Manier ganz gelassen auf einem silbernen Hocker und hat einen großen Schläger in der Hand. Ist es vielleicht ein Tennis- oder Tischtennisschläger? Nein. Es ist ein Gong-Schläger. Es sieht von weiten etwas gewaltätig aus, jedoch ist es nicht einfach zu beobachten, weil der Zwerg ja in der Mitte des Wahnsinns wohnt. Das kann man sich ja leicht vorstellen, dass der Wahnsinn nicht so einfach durchsichtig ist, wie ein Klarsichtfolie etwa.

Manchmal, wenn der Wahnsinn richtig überhand nimmt, dann gong der kleine Zwerg. “Bonnnnnggggg” macht es dann und für einen kurzen Moment halten die Hexen, die den Wahnsinn antreiben wie früher die Cowboys die Rinder in der Pärie, den Atmen an.

Die Ursache dafür liegt auf der Hand. Hexen sind zarte kleine Mädchen, die nicht wenig Sexappeal besitzen und dennoch den Wahnsinn vorantreiben. Aber vielleicht ja gerade deshalb.

Der Zwerg war früher einmal was anderes. Jeder war mal was anderes. Einer hat Bäcker gelernt und ist nun Taxifahrer. Oder er hat ja Jura studiert und gerade vor einem Monat einen Kiosk mit Lotto-Annahmestelle eröffnet. Das Leben ist halt nicht so gradlinig wie eine Parallele.

Also der Zwerg war früher einmal Hausmeister in einem Mädchengymnasium. Damals war das alles grün hier. Sehr grün. Heute ist es nur noch wahnsinnig schmutzig. Eine wirkliche Farbe lässt sich nicht mehr erkenne.

So, der Zwerg hat früher also im Mädchengymnasium gearbeitet. Einen feschen Blaumann hatte er immer an. Einen von diesen, die man von Handwerkern kennt. Mit einem Zollstock in der Seitentaschen und eine kleinen Flachmann in der anderen Hosentasche.

Gesabbelt hat er viel. Damals zumindest. Viel über Müll, kaputte Fenster, explodierte Physiksäale und “Watt is nen Dampfmaschine”. Reguläre Kinderverblödung durch Schulzwang.

Dann eines Tages sind jedoch die Gäule mit ihm durchgegangen. Das war als der stellvertretende Schulleiter Herr Simsalabin ihn aufgefodert hat, Tampoons für die Mädchen in rauen Mengen zu bestellen. Da ist er abgedreht. Das H-B Männchen ist ein schieß dagegen gewesen. Tampoons für 800 pubertiertende Östrogenterroristen. Das war einfach eine Nummer zu groß.

So kamm es dass er anfing den Wahnsinn in sich aufzusaugen. Er saugte und saugte. Vergleichbar nur mit dem Blasen des Wolfes bei den drei kleinen Schweinchen.

Also saugte er jeden Rest Vernunft aus allen Lehrern, der Köchin, der Küchenhilfe und natürlich aus den Mädchen. Die Mädchen fingen an auf Stöcke und Besen zu klettern und heitzen dadurch den Wahnsinn noch weiter an. Es entstand ein permanenter Tornado, der eine gewisse Aufmerksamkeit generierte, so dass sich die Köchin und die Küchenhilfe entschlossen einen Taxischein zu machen und sich zu verpissen.

Die Lehrer rauchten sich tot. Einige, die militanten Nichtraucher unter ihnen, tranken zuviel Rotwein und fielen von der Brücke in das plötzlich auftauchende Moor und versanken.

Jetzt gibt es nur noch den Zwerg und die Hexen, die früher Schülerinnen am Mädchengymnasium waren.

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admin am 04. März 2010 in Kurzgeschichte