Kalle, der Teddy – Kurzgeschichte

Ich stand an einer Endung und wußte nicht, ob es rechts oder links weitergehen sollte. Schließlich war hier die Endung mit einem T. Manch einer hätte es als T-Kreuzung bezeichnet, wenn es keine Endung gewesen wäre.

„Mir doch egal“ flüsterte ich meinem Teddy Kalle zu.
„Hör mal, Kalle! Sollen wir uns noch eine Wurst und ein Bierchen holen?“ Kalle, der Teddy, nickte und deute auf sein Feuerzeug.
„Aber vorher noch eine wegficken, Altah!“ Mit „Wegficken“ meinte Kalle, der Teddy, eine rauchen.
„Klar, Kalle!“, sagte ich und griff in die Brusttasche meines verwachsenen Cord-Sakkos, welches ich seit der 12 Klasse besaß. Es war ein Schnäppchen im regionalen 2nd Hand Laden. Damals vor 15 Jahren. Demensprechend sah es aus und roch vor allem nach vielen Parties, Tränen und manchmal wehte ein Hauch Erbrochenes herüber.
„Bitte.“ Kalle tat einen tiefen Zug und machte es sich auf meiner Schulter bequem. Er saß da fast wie eine Katze von einer Hexe.
Wir bliesen Ringe in die Luft. Das war harte Arbeit bis wir beide die Lippen so formen konnte, dass beim Herausblasen der Rauchluft Ringe entstanden.
„Hör ma, Kalle! Was machen wir denn heute abend noch?“
Kalle war soetwas wie der letzte Mohikaner  in meiner Bekanntenliste. Fast war er ein Stück Familie für mich geworden. Ich hatte ihn mal vor Urzeiten gefunden oder war es auch einem Flohmarkt gekauft. So richtig weiß ich das gar nicht mehr. Es war also viel Zeit ins Land gegangen. Kalle war eigentlich immer da. Wenn es donnerte, wenn es an der Zeit war die Steuererklärung zu machen oder er war zuhause, wenn ich mal wieder Schallplatten verkaufen musste, um Geld für Essen, aber auch Bier und Zigaretten, zu haben.
Wenn ich nach diesem emotionalen Verkauf nach Hause kam, tranken wir immer wortlos Bier und rauchten. Nur mit einer kurzen Unterbrechung, in der ich eine Stück Salami abschnitt und kaute. Kalle, der rauchte nur und trank ein Bier. Essen habe ich ihn niemals gesehen.
„Ey, Altah. Wir könnte heute abend noch ein bisschen gudde Mucke hören. Irgendwas von The Smiths, Morrissey oder so. Meinetwegen auch Tori Amos. Scheiß egal. Hauptsache wir saufen ein paar Bier und rauchen während du die Fresse hältst und die Mukke läuft.“
„Geht klar.“ Wortlos und rauchend kamen wir zuhause an.
Ich stellte die Anlage an und wir hörten The Smiths, Morrissey und auch Tori Amos.

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