Montag Morgen

Obwohl heute Montag ist, habe ich total Bock auf die Arbeit zu gehen. Ich hoffe, dass da alle da sind und niemand sich über das Wochenende was eingefangen hat. Wäre doch schade, wenn da heute jemand den Tag verpasst. Ich habe echt gute Laune, sogar das Wetter spielt in dieser ansonsten total verregneten Stadt mit. Die Sonne blinzelt nett durch das Fenster und ich habe ein gewisses Vergnügen dabei auf dem Balkon bei einer Zigarrette einen Kaffee zu trinken und dem Treiben auf der Straße zuzuschauen.

Ist immer viel los. Der Bus fährt vorbei, zig Autos und die ersten Geschäfte öffnen. Die Blätter der Bäume wiegen sich ein wenig hin- und her. Die Zigarrette ist fast aufgeraucht und auch in der Kaffeetasse kann ich schon fast den Boden sehen. Montag Morgen, die Woche vor der Brust, aber immer noch gute Laune. Warum auch nicht. Ändere dein Leben, ich ändere mein Leben. Selbst Rio Reiser machte darüber einen Songtext geschrieben “Alles verändert sich, wenn du dich veränderst.” Ja. Ich stehe auf und rufe laut vom Balkon “JAAA!”. Niemanden fällt das hier auf. Ganz normal. Manchmal merkt es der Oppa aus dem zweiten Stock. Aber der ist nicht auf einem Balkon, darum kann ich beruhigt in meine Wohnung zurückkehren.
Ich grinse mich selber an, als ich in den Spiegel schaue, um mit dem Zähnepusten zu beginnen. Das Radio bringt Nachrichten, ich drehe es mal galant weg und peile einen dieser Volksverdummungssender an. Da läuft irgendein Chart Mist – aber jener Mist, erfreut heute mein Herz. Zeit für eine Dusche, ein besondere Tag, da soll man auch mal duften, wie ein großer Gentleman. Ein bisschen Akrobatik versuche ich mein Unterplinten ausziehen mit den Zehen zu machen, als ich gekonnt, wie ich finde, die Unterhose über einen Handtuchhalter werfe. So wie Ringe über den Stock werfen. Super. Ich klatsche in die Hände und steige unter die Dusche. Quiek. Zu kalt. Ich drehe am Rad. Da fällt mir Frank Spilker und seine Band Die Sterne ein und ich pfeife “Andererseits”. Homoerotische Gefühle kommen nicht auf, obwohl ich meine Körper von oben bis unten einseife.
Nach dem Anziehen geht es vor die Tür. Hinein ins pralle Verkehrschaos einer Großstadt.
Gut, dass ich die Tasche so hübsch gepackt habe, denke ich mir beim Einsteigen in den Bus, der mich zur S-Bahn bringen wird. Hier ist immer was los. Babylonisches Sprachgewirr mit Geruch, besonders, wenn die Sonne auf den Bus ballert. Es macht mit immer eine gewissen Freunde, Menschen zu beobachten, die vom Wuchs her kleiner sind und sich im Bus direkt unter die Achseln von größeren Menschen zu stellen. Im Somme eine super Sache. Gott sei Dank bin ich dieser Größe schon in den Kinderjahren erwachsen, sodass ich eher zu denen zähle, die ihre Achsel breitstellen, um einen Menschen darunter zu parken.
Natürlich fährt die S-Bahn gleich los, wenn man unten an der Bushaltestelle ankommt, einige ganz verwegene versuchen noch mit einem Sprint, der mich an meine besseren Bestzeiten der Bundesjugendspiele in den 80er Jahren erinnert, die Bahn zu reichen. Bedauerlicherweise für sie kommt ja schon in drei Minuten die nächste Bahn. In der Regel. Manchmal nicht.
Ich stehe dann immer am Bahnsteig und schaue einfach so rum. Ich finde eh, dass die Menschheit sich, gerade in industriealisierten Ländern, viel zu sehr die gute Tugend des “Einfach-Mal-Rumschauen” abgelegt hat. Die Bahn kommt, ich steige ein und irgendwann aus und wie ein und wieder aus. Der letzte Weg zur Arbeit führt mich an ein Neubaugebiet vorbei. Hier fehlt eigentlich ein Schild: “Investoren erlaubt – Bewohner ungerne, aber nur wegen der Rendite geduldet.”

(Ich schreibe weiter!)

Schön ist es auf die Arbeit zu kommen und zu sehen, dass da nicht alle da sind. Im Gegenteil. Ich bin da. 10 Minuten vor Dienstbeginn. Nun ja. Der eine kommt immer um Punkt und der Rest trüddelt so ein wie er möchte. Kritik ist da unerwünscht. Warum auch.  Ich orgel den Rechner an. Irgendein Desktop Modell, welches schon an dem Tag veraltet war, als er bestellt wurde. Mit dem Aufstellen beschäftigen sich hier immer so Nerds, die aussehen, als ob sie Frauen nur aus Zeitschriften oder schlimmen Ecken des Internets kennen.

Ich lege demonstrativ meinen Geigenkoffer auf den Tisch neben mir. Er ist frei. Wie soviele Plätze hier. Keine Folge von Rationalisierungsmaßnahmen, sondern eher der Lauf der Dinge.

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