Thomasz und das Kind von Annie Friesinger

Ich erinnere mich gern an Thomasz. Da war einer. Der konnte mit seinen Ideen ganze Parties sprengen und vor allem konnte er immer, wirklich immer, deine Vorstellungskraft erweitern. Egal, ob du schon ein paar Kannen Pils drinne hattest oder irgendeinen anderen Shit wie Gras und so.

Thomasz war einer dieser Menschen, der zwar körperlich höchstens Kreisklasse spielen konnte, aber mit seinen Aktionen es locker in die Champion League schaffen würde. Thomasz war mindestens 50kg zuviel Mensch und das meiste davon um die Hüften.

In der letzten Woche hat der wieder so eine Ding rausgehauen, uns fiel alle das Lachen aus den Gesichtern. Wir waren wie immer an einem Dienstagabend in unserem Kiez unterwegs und auf der Suche nach einem frischgezapften Bier. Hier gibt es eigentlich immer nur Kneipen oder Kioske vor denen uns eigentlich ein Grundgefühl von Anspruch hätte warnen müssen. Wir also unterwegs im Kiez. Ein paar nette Mädels aus tausend und einer Nacht mit ihren engen Jeans und Tops kichern vor uns her und wir sahen uns ihre wiegenden Hintern an.

„Alter, wisst ihr was ich mir letztens gedacht habe?“ meinte Thomasz auf einmal.

„Nö.“ Sagten wir im Chor und gingen weiter und schauten auf die Hinterteile der Mädels, die irgendeinen billigen HipHop Mist dröhnend aus ihren 50,- Euro Handies hörten. Und sie kicherten.

Wir bogen um die Ecke, wo die Zigeuner saßen. Meistens nur Frauen und Kindern. Die Typen gurkten in der Regel mit ihren frisierten Motorrollern knattern durch die Straßen.

„Ich saß so im Bus und starrte vor mich hin. Da entdeckte ich eine Schlagzeile:  Annie Friesinger Podsmart bekommt Kind in Meppen!“

„Ich meine die heißt anders!“, sagt Norbert. Neunmal klug wie er immer meinte zu sein. Kein Wunder hatte er auch immer 3 Studiengänge abgebrochen. Philosophie und Geschichte sowie Politik.

„Scheiß egal.“ Meinte ich. „Los Thomasz. Schieß los. Was ist Phase!“

„Also ich dachte so, dass sie, die ja ganz geil aussieht ein Kind bekommt. Und dann mit dem ganzen Blut und der Arzt schneidet ihr bei der Muschi rum. Kann der die dann noch geil finden. Ich meine, die ist ja geil. Pralle Möpse und so einen butterweichen Arsch. In ihren Rennanzügen sah sie ja immer sehr geil aus. Und dann immer in der gebückten Haltung. Fand ich großartig. Nur deshalb habe ich mir den Scheiß angeschaut.“

„Mmmh“ meinte Norbert. „Der Arzt hat doch dann so einen Profiblick.“

„Ja aber mal ehrlich. Wenn da so einen Torte aus dem Fernsehen mit gespreizten Beinen und in voller Inbrunst vor dir liegt und du kannst sie gleich aufschneiden oder musst. Dann findest du die doch nicht mehr geil, oder?“ war mein Kommentar.

„Alter, was für einen Scheiße labert ihr da wieder.“, Norbert kam mit einem verbalen Einwurf von der Seitenlinie. „Der kann sie doch weiterhin geil finden, auch wenn er sie zugenäht hat. Der sieht doch andauernd irgendwelche Weiber, die vor ihm mit gespreizten Schenkeln in die Höhe voller Inbrunst Kinder rauspressen.“

„Auch Türken Weiber!“ war Thomazs Feststellung. Ich äußerte meine Bedenken, dass es in Meppen wahrscheinlich nicht so wirklich viele Türken Weiber gab.

„Aber Russen Torten. So blonde wie die Friesinger.“ Norbert, der Regionalexperte meldete sich.

Langsam waren wir bei der Kneipe unserer Wahl angekommen. Irgendein Typ hatte sie aufgemacht, weil er gelesen hatte, dass das hier eines Tages einmal ein „In“ Viertel werden sollte. In der Zwischenzeit durften wir hier Bier saufen. Und zwar vom Fass! Korn kam heute nicht in Fragen, morgen war wieder Maloche angesagt. Schließlich musste die Miete bezahlt werden.

Wir setzten uns auf die Hocker am Fenster. Da konnte man dann immer super nach draußen glotzen. Zwar war das im Moment nicht interessant, da ja hier kein „In“ Viertel war und die entsprechenden Spielbesatzung, also gut aussehende Weiber noch nicht da waren. Aber ab und zu ging eine pralle Afrikanerin vorbei und die konnten immer am besten mit dem Hintern wackeln. Wir hatten uns angewöhnt zu solchen Anlässen immer ein „Shake your Budy“ auf den Lippen zu haben und schweinische Gedanken in der Birne. Wir steckten uns alle eine an. Auch ein Vorteil, wenn man nicht in einem „In“ Viertel wohnt. Beschissene Touristen mit ihren Funktionsjagen konnten sich nicht auf schwäbisch über das Rauchen beschweren. Ich war immer der Meinung, dass das nur Menschen machten, die noch so viele Kreditraten auf der Uhr hatten und wenn jemand durch das Rauchen, welches sie ja passiv mitbekamen, nicht mehr lange zu leben hatten, nicht mehr ihre Schulden zurückzahlen können. Und das ist für einen Schwaben eine riesige mentale Last, die fast keinen Platz mehr für was anderes lässt.

„Die Friesinger. Also. Ein Kind. Rausgepresst. Meinst du der Typ war dabei?“
„Welcher Typ? Der Arzt?“, Norbert.
„Nein. Ihr Typ. Der Alte, der ihr das Kind gemacht hat. Podsmart, oder so!“

„Ich habe gelesen, dass der ne Landwirtschaft hat. Dann kennt er sich ja mit Eutern aus!“ Thomasz.
Wir lachten.

„Keine Ahnung, ob der dabei war. Würdest du dabei sein?“

„Bei der Friesinger nicht. Bei meiner Torte wohl. Ich muss nur sicher sein, dass das Balg von mir ist.“ Thomasz hatte leider keine Freundin, die ihn betrügen konnte. Thomasz war ein Kumpelfreund. Keiner, der jemals eine abbekommen würde. Niemals nicht. Gluppsaugen hatte er und eine Vorliebe für Bundfaltenhosen in beige.

„Ich weiß nicht, ob ich dabei sein würde.“ Was sollte ich da? Frage ich mich. Blut, Schweiß und Tränen? Gekreische von der Alten? Geruch wie von tausend Schlachthöfen? Das war nichts für mich.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar