Lass doch mal

Lass doch mal die Welt zufrieden

Ist doch erst Montag früh

Eine Woche vor der Brust

Einen Kater noch im Rücken

Lass doch mal die Welt zufrieden

Sie dreht sich so oder so

Montags ist der Anfang

Freitag kommt das Ende

Mittendrin ist alle weder Fisch noch Fleisch

Am Rande

Geschüttelt nicht gerührt
Das sind meine Träume
Aufgezehrte Alltagssorgen
Getönte Sommerträume

Ich stehe am Rande
Der Abgrund ist mit falschen Entscheidungen gefüllt.

Der genaue Tag ist verschwommen und fortgeschwemmt
Von der Flut der Möglichkeiten

Ich sehe rote Steine
Die mit Geschwindigkeiten auf mich los gehen

Es wachsen ihnen Beine und Augen und Münder
Sie schreien

AusgeHorstet

Es hat sich ausgehorstet liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Jetzt sind andere dran. Die keine Laus auf der Leber haben und zur beleidigten selbigen Wurst werden
Jetzt sind Aktenfresser an der Reihe

Oder Schwiegermamas Lieblinge

Nach den Horst folgt der Wulf oder der Gau ck

Hauptsache jemand, der Reden schwingt und beschwingt den Untergang des Tanker Germany begleitet,

werden weiterhin die Politik entgleitet und auf dem Gleis der Geschichte sich selbst als Fussnot parkt.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Gott sei Dank müssen wir nicht auch noch wählen. 30. Juni mitten in der WM. Da will ich Fußball Schauen, der Ball ist rund

die Politik ist geschlagen. Fallrückzieher der Geschichte

Die Schlange

Mannchmal wäre ich gerne eine Schlange.
Ich hätte dann einen wendigen Körper – wie ein Tänzer
Ich käme in Ecken, die ich sonst beim Staubsaugen nie erreiche.

Ich könnte mich durch Menschenmassen schlängeln
Viele Menschen würden erschrecken und zur Seite gehen
Super in der Rush-Hour

Ich würde meine Haut abwerfen, wenn ich was neues ausbrüte
Ich könnte Menschen vergiften und es wäre meine Art
Kein Richter – keine Polizei

Erfahrungen im Nebel

„Derbe! Derbe! Derbe!“ Kalle fluchte heute mal wieder wie ein Kesselflicker. Kalle ist immer, wenn er richtig (oder derbe) schlecht gelaunt ist, ein Freund klarer Aussagen, die nichts aber auch gar nichts vermissen lassen. Dann muss ich immer schnell ausblenden, dass es sich um einen Teddy handelt. Er hat dann eher was von einem Luden, der mit Cowboy-Stiefeln auf seinen Mitbewerber eintritt.
„Was ist denn los, Makker!“ versuche ich mich verbal an das Niveau des vermeindlichen Kuscheltieres zu nähern.
„Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen wie scheiße öde der ganze Verlauf deines und damit auch meines Lebens ist? Eine beschissene Berg- und Talfahrt, die jedoch irgendwie keine verfickten Höhepunkte hat.“
Ich muss kurz stutzen und an ein paar Parties und ein paar gute Treffen mit Freunden denken.
„Hej. Kalle. Nun mal langsam. Was fürn Shit erwartest du denn?“
„Ich weiß auch nicht, Meister. Aber soll es so weitergehen? Es ist doch nun mal so.“
Er schaute aus dem Fenster. „Ich sehe keinen scheiß Baum. Ich höre kein Kind plärren und die Butze hier. Wohnung will ich gar nicht sagen, ist zur Miete. Nichts eigenes.“
„Bist du druff? Hast du mit dem Bausparfuchs geschlafen oder was?“
„Ja.“, sagt Kalle und schaut ein wenig sparsam drein.
„Wie kam das denn?“
Keine Ahnung. Wir waren unterwegs. Auf Kiez.

Wenn die Nacht am tiefsten ist

…ist der Tag am nächsten, das singt Rio Reiser mit den unvergleichlichen Ton Stein Scherben. Manchmal will ich daran glauben, insbesondere, wenn der Tag nicht vorbei zu gehen scheint.

Kalle sitzt am Fenster und glotzt raus. Mein Teddy ist einer der wenigen, die mich wirklich verstehen. Es gibt Tage, da sitzen wir beide in der Küche und rauchen eine nach der anderen. Meistens drehe ich die Kippen aus dem Discountertabak. Kalle hat für so was keine Zeit oder Muse. Wir hören dann immer irgendeinen Klassik-Musik Quatsch, in dem sich die Geigen nicht wirklich gut zu verstehen scheinen. Es klingt wie eine Kombination aus falsch gestimmten Instrumenten und falsch abgelesenen Noten in Verbindung mit betrunkenen Musikern.

„Ich mag Schoenberg.“, meinte Kalle beim Abaschen. „Der hat so was wirres. So was unendlich gequältes.“
Zu so etwas konnte ich meistens nichts sagen. Mich nervte der Scheiß. Nicht immer aber auf die Dauer hatte ich das Gefühl, dass diese „Musik“ mir das Hirn auflöste.

„Kalle, was haste denn heute so gemacht?“. Ich drehte schon wieder eine für ihn und mich. Er nahm sie und steckte sich die Kippe in den Mund.
„Ach…“ er blies einen Kringel aus Rauch aus als er ansetzte mir was zu erzählen. „Ach… Ich habe den ganzen Tag aus dem Fenster geglotzt. Sozialstudie. Wie schnell kommt die Polizei nachdem ich sie darüber informiert habe, dass sich ein paar Jugendliche auf der Straße prügeln.“
„Und?“
„20 Minuten. Vier vollbesetzte Wagen. Mir gefällt es immer, wenn sich die Polizeisirenen so langsam in mein Ohr kriechen. Ganz langsam und zart sind sie erst. Dann werden sie immer lauter. Irgendwann sieht man das Blaulicht. Ganz besonders geil, wenn es sich gegen den Sonnenuntergang abzeichnet.“ Er spukte einen Tabakkrümmel aus.
Ich musste nachdenken. „Ja. Hat schon was. Ein Mischung aus Rummel und Rumble.“

Im Radio war jetzt Pause. Nachrichten. Irgendwelche Spinner schossen auf irgendwelche Spinner und das weltweit. Dummheit ist keine regionale, sondere eine globale Frage. Wahrscheinlich das einzige, was wirklich über alle Kulturgrenzen den Begriff Globalisierung zu recht trägt.

„Ich könnte manchmal echt kotzen. Wollste noch ein Bier?“, frage mich Kalle.
„Hör mal! Warum nicht. Was soll schon eines mehr oder weniger ausmachen!“. Ich hörte die Kühlschranktür aufklappen und dann Flaschen klimpern als Kalle zwei rausholte. Sah irgendwie merkwürdig aus, wenn so ein 30cm Teddy Bier holt. Aber was war denn nicht unwirklich in meinem Leben.
Plopp. Plopp. Zwei Flaschen treffen aufeinander und gehen wieder getrennte Wege. Jeder nimmt einen kräftigen Schluck.
„Zeit für eine Zigarette, Meister!“ sagt Kalle mit einem Bier in der Hand und grinst mich an.

Besser du sagst es nicht

Nenn mich nicht Ivanhoe,
denn ich werde keine Heldentaten für dich vollbringen

Nenn mich nicht Walter von der Vogelweide,
denn ich werde keinen Heldentaten besingen

Nenn mich nicht Spiderman,
denn ich werde dich nicht kopfüber küssen

Nenn mich nicht den Alten Mann,
denn ich werde den Fisch nicht ins Boots ziehen müssen

Nenn mich nicht Superman,
denn mein Blick kann kein Stein durchdringen

Nenn mich nicht Don Quichotte
denn meine Windmühlen drehen sich nicht

Nenn mich nicht Sherlock Holmes,
denn ich ergründe keine Verbrechen

Nenn mich nicht Batman,
denn einen Führerschein habe ich nicht

Nenn mich nicht Napoleon,
denn einen Krieg führe ich nicht

Nenn mich einfach mit meinen Namen,
denn auf den höre  ich.

Kalle, der Teddy – Life is a poker bitch

„Life is a bitch.“ grummelte Kalle mir ins Ohr. Ich war noch nicht ganz wach. Müde und missmutig vernahm ich erneut „Life is a bitch“ meines Teddies Kalle war.

Wo war die Flitzpiepe denn schon wieder? Ich rieb mir die Augen. Reckte mich und richtete mich auf der Couch auf. Ein Rundblick ins Zimmer und schon würde ich fündig. Kalle hockte im Schneidersitz vor dem Laptop und wiederholte „Life is a bitch.“ Nur diesmal ein wenig entspannter. Was machte der verfluchte Teddy nun schon wieder.

Aus dem Bett aufstehend, schlich ich mich von hinten an das Plüschtier an.

„Was machts du denn da?“ frage ich mit einer tiefen Stimme.

Er erschrakt ein wenig, drehte sich um und schaute mir direkt in die Augen. Seine Teddy Augen war ein wenig blutunterlaufen. „Life is a bitch, Digger!“.

„Ja. Und? Nichts neues, oder?“

„Doch. Zumindest in diesem Fall.“

„Hast du gar nicht gepennt, oder was?“

Kalle schaute echt müde aus, Stoppeln breiteten sich auf seinem Gesicht aus.

„Ich zocke schon den ganzen Abend diesen Pokermist auf dieser Pokerplattform.“ Er griff sich in seinen Pulli, den die Oma gemacht hatte und suchte eine Zigarette.

„Ja. Aber lass mal in der Küche rauchen, altah.“

„Ok.“ er sprang vom Stuhl runter und lief los in Richtung Küche.

In der Küche drehte ich uns erstmal eine. Wir schauten aus dem Fenster auf die Rückseiten eines Wohnhause, welches an vielen Stellen mit Parabol-Antennen versehen war. Es hatte was von Pilzen, die aus der Häuserwand herauswuchsen. Manchmal konnte man jemanden beobachten, wie er im dritten Stock auf einem kleinen Fenstersims stand und versuchte eine bessere Richtigung einzustellen. Kalle und ich hatten dann immer eine Kamera griffbereit, um im Notfall ein Youtube Video drehen zu können. Wer den Schaden hat…
Wir bliesen Ringe in die Luft und drückten die Zigaretten so aus, dass man es auch nach Stunden noch an den Finger, die gelb waren sie, riechen konnte, dass geraucht wurde.
„Kaffee ist auch dein Grundnahrungsmittel, oder?“ fragte Kalle als ich gerade heißes Wasser auf den Instant Kaffee in der Tasse goß.

„Kar! Meister.“ erwiderte ich ihm und haute noch ein bisschen Zucker und Milch in den Kaffee.

„Spinner!“, sagte Kalle der Teddy und hüpfte vom Stuhl, um wieder in das Zimmer zu gehen. Dort schaltete er den Rechner an und fing wieder an zu spielen. Poker.

„Life is a bitch!“ hörte ich ihn sagen und drehte mir eine weitere Zigarette.

Auch

Auch, wenn es regnet wird die Erde nass
Auch, wenn die Sonne scheint, wird es morgen wieder trocken sein
Auch, wenn der Himmel grau ist, ist die Sonne nicht weit
Auch, wenn die Zeit gekommen ist, ist das Ende nah

Dann und wann
Und immer und auch
Thron und König
Sohn
Mann und Frau

Ohne Patos keine Liebe
Ohne Schmerz kein Schwanengesang
Ohne Kälte keine Heizung
Ohne Play kein Mobil

Mit Lachen wird ein Kind gesund
Mit Freude wird der Tot umarmt
Mit Tränen gießt man Freudenblumen
Mit Herz ist Leidenschaft im Bett